Beachvolleyball: Die Beachvolleyballerin des Jahres muss beim nationalen Saisonhöhepunkt zuschauen

Beachvolleyball-DM: Julia Sude wird ohne Chantal Laboureur Vierte bei ihrer 14. DM-Teilnahme

Aufgrund des Ausfalls von Chantal Laboureur ist Julia Sude mit Interimspartnerin Leonie Körtzinger bei den 26. Deutschen Beach-Volleyball Meisterschaften gestartet – und unerwartet gut am Ende auf dem vierten Platz gelandet.

(red/tob) Timmendorfer Strand: Die Enttäuschung über die Niederlage im kleinen Finale hat nur ganz kurz gedauert. Leonie Körtzinger und Julia Sude saßen ausgepumpt auf den Plastik-Rattan-Möbeln in der Spielerbox, klopften sich den Sand von der Haut, und sinnierten den verpassten Chancen im zweiten und dritten Satz nach. Mit 1:2 (21:19, 19:21, 8:15) waren sie gerade den Favoriten Teresa Mersmann/Cinja Tillmann unterlegen und haben nur knapp die Sensation eines unerwarteten Sprungs auf das Podest verpasst. „Holzmedaille ist auch o.k.“, sagte Julia Sude. „Nach knapp einer Stunde Training mit einer zehn Jahre jüngeren Partnerin das Turnier so zu spielen, hat uns ganz schön weit gebracht und unheimlich viel Spaß gemacht.“

Julia Sude mit Interimspartnerin Leonie Körtzinger bei den 26. Deutschen Beach-Volleyball Meisterschaften | Foto: Tom Bloch (www.tombloch.de)

Julia Sude mit Interimspartnerin Leonie Körtzinger bei den 26. Deutschen Beach-Volleyball Meisterschaften | Foto: Tom Bloch (www.tombloch.de)

Manchmal macht das Schicksal eben Überstunden. Ausgerechnet an dem Tag, an dem das Ergebnis der Wahl zur Deutschlands Beachvolleyballerin des Jahres verkündet wurde, hat sich Chantal Laboureur im Training verletzt. Ihr Ehrgeiz, den Deutschen Meister-Titel bei den 26. Deutschen Meisterschaften zu verteidigen, war aber riesig. Sie stieg trotzdem in Stuttgart in den Flieger Richtung Norden. Beim Zwischenstopp in Hamburg verordneten die Ärzte allerdings eine Zwangspause aufgrund von muskulären Problemen am hinteren Oberschenkelmuskel. Die finalen Untersuchungen fanden im Universitätsklinikum Eppendorf statt. Und genau da lief den Stuttgarterinnen Olympiasiegerin und Weltmeisterin Kira Walkenhorst über den Weg, der ebenfalls ein Einsatz im Timmendorfer Sand verwehrt wurde: Probleme mit einem verklemmten Wirbel.
Spontan und kurios, aber was liegt näher, als dass die beiden verbliebenen gesunden Partner ein Team bilden?

Jungtalent Leonie Körtzinger, die am Olympiastützpunkt Hamburg betreut wird und zum nationalen Perspektivkader gehört, formierte also ein Interims-Duo mit Julia Sude und gewährleistete so die insgesamt 14. Teilnahme der deutschen Meisterin von 2010 (mit Jana Köhler) und 2017 (mit Chantal Laboureur). „Ich habe das Gefühl, das Schicksal wollte es, dass ich soviel wie möglich in dieser Saison dazulerne. Mit neuen Partnern geht das sehr gut“, sagte die 21-jährige Kielerin und lachte herzlich. Die 1,88 Meter große Blockspezialistin hatte sich in dieser Saison mit Kira Walkenhorst zusammen getan, weil deren Partnerin Laura Ludwig eine Babypause einlegt.

Deshalb machte es auch wenig aus, dass sowohl Körtzinger als auch Sude eigentlich die Blockposition ausfüllen. „Die Entscheidung war schnell getroffen. Ich bin ja die kleinere von beiden, also spiel ich hinten in der Abwehr“, sagte Julia Sude schmunzelnd. Drei Zentimeter machen den Unterschied. Julia Sude spielte also mit ihren 1,85 Metern Körpergröße die Position, die sonst ihre Partnerin Chantal Laboureur inne hat. Und dies mit breitem Grinsen im Gesicht.

Auch für Trainer Ricardo Brunale de Andrade war die spontane Partnerschaft interessant. „In der Abwehr ist es sehr wichtig, den Gegner zu lesen und zu analysieren. Julia kann das sehr gut. Ich glaube, sie wird mit der neuen Rolle wenig Schwierigkeiten haben. Im Fokus steht aber die Umstellung, den Ball zu passen. Mit einem Partner, den man nicht kennt, und der viel größer ist, muß hier am meisten gearbeitet werden.“

Das neue Projekt begeisterte auf Anhieb. „Wir haben eine Stunde gemeinsam trainiert. Der Rest ergibt sich im Sand“, lautete die Devise von Julia Sude. Nach drei Spielen standen die beiden Blockspezialisten im Viertelfinale.

2:1-Erfolg (23:21, 19:21, 15:12) über Karoline Fröhlich/Regan Scott
0:2-Niederlage (14:21, 14:21) gegen Teresa Mersmann/Cinja Tillmann
2:0-Erfolg (21:19, 21:16) gegen Aulenbrock/Ferger

Und im Viertelfinale gelang die Sensation.
Gegen das deutlich eingespieltere Nationalteam Karla Borger/Margareta Kozuch setze sich die unbekümmert aufspielende Schicksalgemeinschaft mit 21:14, 21:18 durch.
Julia Sude drehte sich nach dem Matchball mit ausgestreckten Armen sofort zu ihrer verletzten Partnerin Chantal Laboureur und ihrem Trainer Ricardo Brunale de Andrade hoch oben auf der Tribüne zu und wollte es nicht glauben, während Leonie Körtzinger im Jubel der über 6000 Zuschauer in der Ahmann-Hager-Arena badete. Sie hatten das Halbfinale erreicht und damit alle Fachleute verblüfft. „Ganz von hinten in der Abwehr sieht man irgendwie besser. Das macht mega viel Spaß, so im Sand rumzuwühlen, wie es Chantal sonst macht.“

Doch im Halbfinale war dann Endstation. Gegen Kim Behrens/Sandra Ittlinger kassierten das Überraschungs-Duo eine 0:2-Niederlage (15:21, 17:21) und stand somit im kleinen Finale.

Wie schon im vergangenen Jahr, als Julia Sude am selben Tag ihren 30. Geburtstag und die Deutsche Meisterschaft feiern durfte, fanden die Medaillenspiele wieder an ihrem Geburtstag statt. Möglich machte dies die vom Veranstalter erstmals auf Sonntag zusammengelegten Damen- und Herrenfinale. Am Ende sprang also die Holzmedaille für Sude/Körtzinger heraus – gewürzt mit einer große Portion guter Laune.

„Interessant! Von außen sieht man immer noch mehr. Im zweiten Satz haben sie den einen oder anderen Punkt liegen lassen. Auch ein paar Eigenfehler zu viel sind passiert. Also ich hätte den beiden die Bronzemedaille wirklich gegönnt“, fasste Chantal Laboureur zusammen, die am Rande des Geschehens die Auszeichnung als Beachvolleyballerin des Jahres erhielt und mit Gute-Besserungs-Wünschen von über 6000 Zuschauern bedacht wurde.

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