Beachvolleyball: Die #roadtotokyo ist nun ein Jahr länger

Das Beachvolleyball-Nationalteam Karla Borger/Julia Sude hat die Entscheidung des International Olympic Committee (IOC) nicht überrascht: Die Olympischen Spiele werden ins nächste Jahr verschoben. Auch wenn vieles unklar bleibt, gibt diese Nachricht ein wenig Planungssicherheit.

(red/tob) Keine Qualifikationsturniere, keine nationalen und internationalen Dopingkontrollen, keine vernünftigen Trainingsmöglichkeiten, Selbstisolation – angesichts dieser prekären Situation wenige Monate vor der geplanten Eröffnungsfeier, war schon längst nicht mehr an eine ordentliche Durchführung der Olympischen Spiele in diesem Jahr zu denken. Jetzt gibt es also klare Verhältnisse. Und obwohl nun auch die Weltranglistenpunkte-relevanten (und finanziell interessanten) Major-Turniere in Hamburg und Wien abgesagt, lässt sich das Deutsche Meister-Duo Borger/Sude nicht unterkriegen.

Foto: Tom Bloch - www.tombloch.de

Foto: Tom Bloch – www.tombloch.de

„Meine erste Reaktion war eher neutral. Ich kann mich weder freuen noch bin ich enttäuscht. Denn irgendwie ist dies alles einfach die logische Konsequenz der dramatischen Entwicklungen um das neuartige Corona-Virus“, sagt Julia Sude. „Aber im Grunde gibt es nur ein einziges Fragezeichen weniger, nämlich die Verschiebung des Saisonhighlights. Wann wieder richtig trainiert werden kann, wann wieder Turniere stattfinden, das alles gilt es zu klären.“

Ihre Partnerin Karla Borger findet, dass durch die Entscheidung den Athleten der Druck genommen wurde. „Auch wenn es für alle beteiligten Seiten, also für das IOC und das Organisationskommittee in Japan, eine harte Nuss war, so war es doch allerhöchste Eisenbahn. Überraschend kam die Entscheidungen ja nicht, nachdem ja auch die Stimmen aus dem Athletenlager für eine Absage immer lauter wurden“, sagt Karla Borger. „Jetzt haben wir ein bisschen mehr Freizeit. Zeit für Dinge, die wir sonst kaum haben. Wie zum Beispiel Saxofon-Spielen. Ich wollte mich da schon im Winter dransetzen, hatte aber vor lauter Training keine Zeit.“

Für das Trainerteam der Nationalspielerinnen beginnt nun eine ganz neue Phase. „Jetzt werden wohl weitere Wochen ins Land gehen, denn im Moment liegt ja weltweit alles brach. Dann muss es irgendeinen offiziellen Auftakt geben, der einen gewissen Vorlauf hat. Es kann ja nicht einfach wieder von Null auf Hundert hochgefahren werden“, sagt Dr. Burkhard Sude, der Sportliche Leiter des Nationalteams. „Sehr bedauerlich allerdings finde ich die unterschiedliche Herangehensweise in den Bundesländern. So gibt es keine bundesweit einheitliche Regelung und an manchen Olympiastützpunkten wird trainiert. Dabei gibt es wirklich wichtigere Dinge derzeit.“

Athletiktrainer Sascha Schlechtweg kann für die derzeitige Lage auch keinen vorgefertigten Plan aus der Hosentasche ziehen: „So eine Situation gab es bisher noch nie. Wir sind jetzt erstmal froh, dass die Gesundheit der Athleten über wirtschaftliche Interessen gestellt wurde. Für die nächsten Monate bedeutet das nun erstmal dran bleiben und die harte Arbeit aus der Vorbereitung möglichst lange mitzunehmen. Denn eines ist sicher: Irgendwann wird es wieder normal weiter gehen und dann werden wir bereit sein, die volle Leistung abzurufen.“

Nadine Volkmer, die Psychologin des Nationalteams, sieht in der Verschiebung der Olympischen Spiele auf das nächste Jahr sogar positive Effekte:„Wir können auf der mentalen Ebene Kontexte schaffen, in denen sich Julia und Karla sowohl als Team als auch individuell weiterentwickeln können. Durch die hinzu gewonnene Zeit können sportpsychologische Tools trainiert und optimiert werden, so dass Herausforderungen nach der Corona-Krise selbstwirksamer und konstruktiver gemeistert werden.“

Bis es soweit ist, muss das „Home-Gym“ herhalten. „Wir haben unsere Hanteln und Gewichte und allerlei Utensilien und bekommen von vielen Seiten Unterstützung“, sagt Julia Sude und Karla Borger ergänzt: „Sport ist in diesen Krisenzeiten eben nicht nur bei uns, sondern überhaupt nicht an erster Stelle. Ganz oben steht die Solidargemeinschaft, die jetzt funktionieren muss. Wir werden uns zusammensetzen und Pläne schmieden. Das Gute daran ist, dass die ganze Arbeit, die bislang in dem Projekt steckt, nicht umsonst war. Jetzt ist halt die Vorbereitungsphase eben ‚ein bisschen‘ länger.“

Gleichzeitig haben die Athletinnen auch Zeit, ihre enormen Erfahrungen und ihr Wissen weitergeben zu können. So nimmt Karla Borger an einer digitalen Sportstunde der Organisation Athleten Deutschland e.V. teil und gibt Schülern per Webinar Einblicke in das Leben als Profisportlerin. Bei dem Videochat können Kinder und Jugendliche Fragen an ihre Vorbilder stellen und sich wertvolle Tipps einholen. (Die Anmeldung hierfür erfolgt via Email an sportstunde@athleten-deutschland.de). In der ersten Sportstunde am Freitag, den 27.03.2020 um 15.30 Uhr, hatte die Vize-Weltmeisterin von 2013 und Rio-Teilnehmerin schon einmal Rede und Antwort gestanden.
In weiteren Ausgaben warten weitere Spitzensportler wie Alexandra Popp (Kapitänin der Fußballnationalmannschaft), Robin Benzing (Kapitän der Basketballnationalmannschaft), Pamela Dutkiewicz (Hürdensprinterin), Christopher Rühr (Hockeynationalspieler) und Max Hartung (Säbelfechter) auf die Kinder.

Außerdem ist das Deutsche Meister-Duo weiterhin mit seinem Video-Tagebuch auf SWR Sport präsent. Die Folgen des Blicks hinter die Kulissen werden regelmäßig ergänzt und sind hier zu sehen: https://bit.ly/33LAFAe.

Das Nationalteam Borger/Sude nur ein Klick entfernt im world wide web:
Facebook: Beachvolleyballteam Borger-Sude
Instagram: @borgersude
Twitter: @borgersude
Internet: www.borgersude.de

Alle Artikel zum Thema Beachvolleyball.

Share this:
Tags:

Kommentar schreiben

Hier können Sie einen Kommentar zu diesem Artikel abgeben. Ihr Kommentar wird von uns geprüft und dann freigegeben. Bitte geben Sie auch einen Namen und eine Email-Adresse an*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.