Beachvolleyball: Laboureur/Sude Deutsche Beachvolleyball-Meisterinnen 2017

Ein Tag für die Geschichtsbücher

Laboureur/Sude sind Deutsche Beachvolleyball-Meisterinnen 2017

(red/tob) Wie so oft in der Saison haben sie es wieder auf einem Turnier in die Top-Five geschafft… aber mit einem Kraftakt hat es diesmal für ganz oben gereicht: Das Stuttgarter Beachvolleyball-Team Chantal Laboureur/Julia Sude holt sich die Deutsche Meisterschaft 2017.

Deutsche Meisterinnen 2017 Chantal Laboureur/Julia Sude (Foto: Tom Bloch/SchwabenSport Management)

Deutsche Meisterinnen 2017 Chantal Laboureur/Julia Sude (Foto: Tom Bloch/SchwabenSport Management)

Manche Geschehnisse kann man nicht erklären. Sie passieren einfach. Frisch und forsch hat Chantal Laboureur in der vergangenen Woche beim World Tour-Finale in Hamburg angekündigt, nach der Silbermedaille 2016 bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften einen drauf zu setzen und Gold holen zu wollen. Und dann hat auch noch ihre Partnerin ausgerechnet am Finaltag Geburtstag, zudem einen runden. Und was passiert? Das Nationalteam, trotz einer langen und kräftezehrenden Saison in den Knochen, marschiert durch das Turnier, rutscht am Donnerstagabend in die Verliererrunde, erreicht in einer Zusatzschicht am frühen Samstagmorgen das Halbfinale und kämpft sich dann weiter bis ganz oben aufs Podest. „Unsere erste gemeinsame Deutsche Meisterschaft“ jubilierte Chantal Laboureur (MTV Stuttgart) und bekam ihr Strahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Für Julia Sude (VfB Friedrichshafen) war es nach 2010 die zweite Goldmedaille bei den nationalen Meisterschaften, die sie seinerzeit an der Seite von Jana Köhler gewann, der heutigen Beachvolleyball-Sportdirektorin des Deutschen Volleyball-Verbands. „Aber jetzt, direkt an meinem Geburtstag den Titel zu holen, das vergisst man nie. Einen schöneren Saisonabschluss kann man sich einfach nicht wünschen.“

Und dann gibt es da noch den heftigen kurzen Jubel vom Trainer mit dem langen Namen. Ricardo Brunale de Andrade, dessen Spitzname „Vento“ erheblich öfter gebraucht wird, wenn über ihn gesprochen wird, ließ sich voller Stolz mit dem Pokal fotografieren. „Ich bin schwer beeindruckt, wie die beiden das Turnier gemeistert haben“, sagte Vento. „Wir haben ja gesehen, wie müde alle sind nach den vier Saisonhöhepunkten hintereinander mit Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, World Tour-Finale und jetzt hier die Deutschen Meisterschaften, am Ende einer langen internationalen Saison.“ Selbst an Tagen, an denen kein Training war, gab es genügend Arbeit. „Es ist wirklich schwierig, dabei die Balance zu finden und auch die nötigen Regenerationsmöglichkeiten zu schaffen. Umso mehr freuen wir uns jetzt alle auf die Pause.“

Eine erste kleine Auszeit nahmen sich seine Schützlinge bereits im Finale, als sie im zweiten Satz gegen Melanie Gernert und Tatjana Zautys (VCO Berlin/SV Winnenden) in ein Konzentrationsloch fielen und die unbekümmert auftretenden Gegnerinnen deshalb kurzzeitig unnötig aufbauten. Doch am Ende, nach vier abgewehrten Matchbällen, war die Goldmedaille sicher. Mit 2:1 (21:11, 18:21, 15:7) schlugen sie das Überraschungsteam Gernert/Zautys, welches zuvor nacheinander erst die Europameisterinnen Glenzke/Großner und dann die Weltmeister und Olympiasieger Ludwig/Walkenhorst aus dem Turnier warfen.

Chantal Laboureur/Julia Sude (MTV Stuttgart/VfB Friedrichshafen), auf Position eins gesetzt und deshalb im goldfarbenen Trikot startend, begannen das Turnier äußerst fokussiert. Am Donnerstagabend, kurz vor der offiziellen Eröffnung, gelang den beiden ein souveräner 2:0-Sieg (21:9, 21:13) gegen Lisa Arnholdt/Leonie Welsch, ihre gelegentlichen Trainingspartnerinnen am Olympiastützpunkt Stuttgart. Am Freitagvormittag folgte ein ebenfalls dominanter Auftritt gegen die späteren Finalistinnen Melanie Gernert/Tatjana Zautys mit 2:0 (21:10, 21:12). „Für uns ist es echt was besonderes, hier in Deutschland zu spielen, das kommt ja nicht so oft vor“, sagte Chantal Laboureur nach dem Spiel ins Court-Mikrofon. „Wir genießen die Auftritte hier in Timmendorf sehr und es ist toll, wieviele Menschen schon bei den Vorrundenspiele dabei sind.“ Und Julia Sude ergänzte: „Wir sind sehr zufrieden mit diesem Sieg, die beiden sind sehr gefährlich, das wissen wir.“ Und das haben danach auch ja andere Top-Teams zu spüren bekommen.

Der direkte Einzug ins Halbfinale wurde am späten Freitagnachmittag verpasst, durch eine knappe Tiebreak-Niederlage gegen Victoria Bieneck/Isabel Schneider mit 1:2 (21:19, 19:21, 12:15). Dadurch musste die beiden Stuttgarterinnen in der Verliererrunde einmal nachsitzen. „Sie haben effektiver aufgeschlagen als wir und sie haben fast fehlerfrei gespielt“, sagte Chantal Laboureur anerkennend und Julia Sude beantwortete die Nachfrage nach dem frühen Spieltermin diplomatisch: „Wenn wir früh aufstehen müssen, sind wir eben Frühaufsteher.“

In den Geburtstag von Julia Sude wurde mit einem souveränen Sieg auf Court 2 gestartet. Im Schatten der Seebrücke wurden Katharina Schillerwein/Cinja Tillmann mit 2:0 (21:15, 21:15) bezwungen, anschließend wartete ein Spalier aus Freunden und Verwandten. Was für eine Überraschung für Julia Sude! Mit Tränen der Rührung in den Augen und silbernen Luftschlangen um den Hals pustete sie die Kerze auf dem Geburtstagskuchen aus – und begann anschließend die Vorbereitung auf das Halbfinale gegen Karla Borger/Margareta Kozuch.

Auch hier blieben Laboureur/Sude fokussiert und zogen nach einem 2:0-Erfolg (21:19, 21:19) wie schon im Vorjahr ins Finale ein. Die Grundlage, der Ansage von Chantal Laboureur zu entsprechen, war geschaffen.

Nach der stimmungsvollen Siegerehrung in der Ahmann-Hager-Arena vor über 6000 Zuschauern und der obligatorischen Sektdusche folgte der nächste Marathon: Interviews und Autogrammstunde. „Und jetzt wird gefeiert“, sagte Chantal Laboureur. Beim gemeinsamen Abendessen, als sich dieser ereignisreiche Tag den Ende zuneigte, wurde allen bewusst, dass es noch einen weiteren Grund zur Ausgelassenheit gab: Der Geburtstag von Julia Sude ging nahtlos über in den Geburtstag von Trainer Vento. Passend dazu wurde das traditionelle Feuerwerk an der Seebrücke abgefackelt, welches aus dem hoch gelegenen Hotelzimmer gemeinsam angeschaut wurde. Danach stürzte sich das Team ins Getümmel der berühmt-berüchtigten Player’s Party.
Ja, manche Ereignisse kann man nicht erklären. Die passieren einfach.

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