Beachvolleyball: Nach der WM ist vor dem Fünf-Sterne-Turnier in Gstaad

Von der Weltmeisterschaft 2019 in Hamburg ist der internationale Beachvolleyball-Tross direkt weiter in die Schweiz gezogen, zum Fünf-Sterne-Turnier in Gstaad.
Mit dabei natürlich auch das Nationalteam Borger/Sude, das best platzierte Frauen-Team der WM, welches heute, Dienstag, 10. Juli, um 14.00 Uhr mit dem Match gegen die Lokalmatadoren Anouk Vergé-Depré/Joana Heidrich ins Turnier starten.

(red/tob) Nach 216 gespielten Matches sind die Weltmeisterschaften in Hamburg Geschichte, die Medaillen verteilt. Gewonnen hat aber auch das deutsch-österreichische Veranstalter-Konsortium, welches die Spiele auf der Tennis-Anlage am Rothenbaum perfekt organisierte und Hamburg in ein beeindruckendes Beachvolleyball-Mekka verwandelte. Die zig tausend Zuschauer auf den Rängen täglich, mit überschäumender Begeisterung und fern jeglicher Randale, veredelten die Veranstaltung genauso wie das überaus beeindruckende internationale Medieninteresse.

Viel Zeit zum Verarbeiten der intensiven Eindrücke von den Weltmeisterschaften bleibt kaum. Der internationale Tross ist gleich in die Schweiz weitergezogen, zum nächsten Höhepunkt. Im Nobelkurort Gstaad findet ein Fünf-Sterne-Turnier der Major-Series statt (9. – 14. Juli 2019), auf dem auf 1000 Metern über NN höchsten Center Court der Profi-Tour. Und dies bereits zum 20. Mal.

Und auch das Nationalteam Karla Borger/Julia Sude weilt bereits seit Sonntag in der Schweiz. Mit im Gepäck, der 9. Platz bei der WM sowie die entsprechenden 800 Punkte für die Weltrangliste und ein Preisgeld-Scheck über 11 000 Dollar. Auch wenn die beiden erneut als das best platzierte deutsche Frauenteam abgeschlossen haben, wird der erneute Top-Ten-Platz von beiden mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen.

„Wir hätten zu gerne weiter gespielt in dieser einmaligen Atmosphäre, bei unserer Heim-WM. Aber gut, wir sind gegen kein No-Name-Team ausgeschieden und wir wissen, woran wir arbeiten müssen“, sagt Julia Sude. „Die Chancen waren durchaus da. Mit weniger Eigenfehlern in der Schlussphase wäre mehr drin gewesen. Aber man sieht, es ist super eng im Damenbereich, und das macht es unheimlich spannend, was die Olympia-Qualifikation angeht“, meint Karla Borger.

Apropos Eigenfehler: Im WM-Achtelfinale gegen Fernanda Alves und Barbara Seixas De Freitas, waren es gerade die Brasilianerinnen, die im ersten Satz überhaupt nicht in die Gänge kamen. Sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass es ihr erster Auftritt auf dem Center Court war, und Borger/Sude mehr Erfahrung mit den teils schwierigen Windverhältnissen im Stadion am Rothenbaum hatten. Auch wenn im bisher erst einmaligen Aufeinandertreffen das deutsche Duo als knapper Tiebreak-Sieger hervorging (Mitte Mai beim Vier-Sterne-Turnier in Jinjiang), bleiben die Brasilianerinnen eine ganz große Nummer: Barbara Seixas De Freitas (Olympiasilber 2016) war 2015 Weltmeisterin. Im Endspiel von Den Haag besiegte sie seinerzeit ihre heutige Partnerin Fernanda Alves.

Das erfahrende brasilianische Duo blieb ruhig, ließ sich von dem deutlichen Ergebnis und den vielen Eigenfehlern im ersten Satz wenig beeindrucken, erkämpfte sich den Tiebreak und warf dabei das deutsche National-Duo durch den 2:1-Erfolg (10:21, 21:17, 15:11) nach 53 Minuten Spielzeit (Punkteverteilung: Julia Sude 24, Karla Borger 14) aus dem Turnier. Wie knapp die Niederlage war, unterstreicht das Ballpunktverhältnis, das Borger/Sude mit 49:46 gewonnen haben. „Das war ein ziemlich hohes Niveau mit vielleicht ein wenig zu viel Aufschlagfehlern auf unserer Seite“, meinte Dr. Burkhard Sude, der Sportdirektor des Teams, direkt nach dem Spiel. „Aber gegen so ein Team kann man die Aufschläge eben nicht herschenken, da muss man variieren und risikoreich agieren.“

Der Start ins Turnier verlief bereits vielversprechend. Trotz ein wenig vorherrschender Nervosität vor dem ersten Spiel zur Prime-Time am Samstagabend auf dem vollen Center Court, ließen Borger/Sude gegen die Chinesinnen Xinxin Wang/Chen Xue nichts anbrennen. Nach einem souveränen Start mit hohem Aufschlagdruck zog das deutsche Nationalteam durch und schnappte sich mit 2:0 (21:15, 21:18) den ersten Sieg in 39 Minuten (Punkteverteilung: Karla Borger 24, Julia Sude 12). Kuriosum: Bei der WM 2013 war es Chen Xue, die Karla Borger mit ihrer damaligen Partnerin Britta Büthe im Finale von Stare Jablonki knapp bezwungen hatte, nachdem das chinesische Team sich zuvor gegen mehrere deutsche Matchbälle stemmen musste.

Beach Volleyball World Championships Hamburg 2019, Nationalteam Karla Borger (2) und Julia Sude (1), GER, in gelb, gegen Brasilien, Barbara Seixas (1), und Fernanda Alves (2), Achtelfinale | Foto: www.tombloch.de

Beach Volleyball World Championships Hamburg 2019, Nationalteam Karla Borger (2) und Julia Sude (1), GER, in gelb, gegen Brasilien, Barbara Seixas (1), und Fernanda Alves (2), Achtelfinale | Foto: www.tombloch.de

Im zweiten Spiel am Sonntagnachmittag in brütender Hitze (49 °C wurden über dem Sand im Stadion am Rothenbaum gemessen) und stark böigen Winden, siegten Borger/Sude standesgemäß gegen die WM-Exoten aus Nicaragua. Valeria Mendoza/Lolette Rodriguez unterlagen mit 0:2 (14:21, 14:21) in 35 Minuten (Punkteverteilung: Karla Borger 24, Julia Sude 11). „Ein Pflichtsieg. Wir hatten uns gegen dieses unbekannte Team ein paar Aufgaben vorgenommen, aber wir mussten eben bei den starken Böen auf Nummer sicher gehen“, meinte Julia Sude nach der Partie. „Es war schon ein wenig unangenehm, gegen die zu spielen. Uns sind ein paar Fehler passiert, die nicht hätten sein müssen.“ Doch der eindrucksvolle Start mit einer 7:0-Führung stellte die Weichen bereits früh auf den Sieg.

Damit war klar: Die Partie gegen die an Position fünf gesetzten Amerikanerinnen Alix Klineman/April Ross am Montagabend wurde zum entscheidenden Duell um den Gruppensieg. Und da hielt es das Publikum auf den Rängen in der einmaligen Atmosphäre des Center Courts im Stadion am Rothenbaum kaum auf den Sitzen. Mit spektakulären Abwehraktionen und geschickt antizipierten Blocks dominierten Borger/ Sude das deutsch-amerikanische Duell über weite Strecken nach Belieben.

Trotz Matchbällen im zweiten Satz ging es noch in den Tiebreak, der mit einem wohlverdienten Erfolg für das deutsche Nationalteam endete: 2:1 (21:15, 21:23, 15:10) in 59 Minuten (Punkteverteilung: Julia Sude 22, Karla Borger 19). „Wir hatten viele gute Aktionen und ich freue mich wirklich. Aber es klingt vielleicht komisch, da waren immer noch ein paar Sachen dabei, die wir besser machen können“, meinte Karla Borger. „Von so etwas träumt man vorher allerhöchstens, aber wenn der Gruppensieg dann wahr wird, ist es um so schöner“, sagte Julia Sude.

Für Dr. Burkhard Sude war dieser Moment keiner, um länger inne zu halten. „Der Tiebreak war ein Training auf sehr hohem Niveau, aber wir hätten das Spiel auch im zweiten Satz beenden können, auch wenn es nicht irgendjemand war, gegen den wir gewonnen haben. Ok, wir haben als Gruppensieger die K.o.-Runde erreicht. Aber mehr eben nicht, denn jetzt fängt das Turnier erst richtig an.“

Eine Weltmeisterin von 2013 und die an Position fünf gesetzten Amerikanerinnen geschlagen – und damit die Runde der letzten 32 Teams erreicht: Zur Belohnung gab es einen spielfreien Tag.

Die K.o.-Runde begann mit einem deutsch-deutschen Duell vor rund 9000 Zuschauern auf dem Center Court. Und das hatte es in sich. Es dauerte 61 hochspannende Minuten, bis sich das favorisierte Nationalteam gegen das Duo Kim Behrens/Cinja Tillmann durchgesetzt hatte, und das auch noch äußerst knapp. Mit 2:1 (19:21, 21:17, 15:13) gewannen Borger/Sude (Punkteverteilung: Karla Borger 24, Julia Sude 20), und sie waren wenig später plötzlich das einzige deutsche Team, das im Achtelfinale stand.

„Wir haben erst spät den Zugriff gefunden. Es ist einfach schwer, gegen ein Team zu spielen, dass nicht besonders groß ist und nichts zu verlieren hat. Sie haben volles Risiko gespielt, und ihre Taktik ging auf“, sagte Karla Borger. Mitgefühl erhielten sie auch von Olympiasieger Julius Brink: „Es ist immer eine unangenehme Situation, wenn man in einem internationalen Turnier als Favorit in ein deutsch-deutsches Duell gehen muss. Der Gegner kennt einen genau, hat nichts zu verlieren und kann befreit aufspielen, während von einem selbst nichts anderes als ein klarer Erfolg erwartet wird.“

Sei’s drum. „Wir sind erleichtert und happy über den Sieg“, sagte Julia Sude, „und jetzt haben wir richtig Lust zu zocken“, sagt Karla Borger.

Zusätzliche erfreuliche Momentaufnahme: Karla Borger führte zu diesem Zeitpunkt die Topscorer-Liste der WM an, mit 82 Punkten, einem Schnitt von 8,2 Punkten pro Satz.

Doch nach dem Achtelfinale war auch für Borger/Sude die aktive Teilnahme am Turnier beendet.

In der Endabrechnung der Statistik trugen sich jedoch gleich beide Akteurinnen des deutschen National- Teams ein:
Karla Borger schaffte bei der WM den fünfschnellsten Aufschlag mit 83,7 km/h.
Julia Sude wurde in der Kategorie „Bester Aufschlag“ Fünfte mit insgesamt 17 Aufschlag-Assen.

Eine völlig neue Erfahrung wurde den beiden zuteil, als sie als Co-Kommentatoren eingesetzt wurden. Karla Borger hat an der Seite von Dirk Berscheidt live auf Sport1 das Halbfinale der Frauen co-kommentiert, beide zusammen das Frauen-Finale für DAZN, welches auch auf allen Screens auf dem Gelände ausgestrahlt wurde.

Den Weltmeistertitel der Frauen konnten sich die Kanadierinnen Melissa Humana-Paredes / Sarah Pavan erspielen, Weltmeister der Herren wurden Viacheslav Krasilnikov / Oleg Stoyanovskiy aus Russland.

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