Beachvolleyball: Nationalteam mit Silber statt Kuhglocke in Gstaad

Bestens gerüstet für die EM: Das Stuttgarter Beachvolleyball-Nationalteam Chantal Laboureur/Julia Sude holt nach Silber bei der FIVB World Tour in Warschau auch Silber beim Major-Turnier in Gstaad.

(red/tob) Vielleicht liegt es an der Höhenluft, vielleicht liegt es am Glücksbringer-T-Shirt von Mama Laboureur – das Turnier im schweizerischen Nobelkurort ist jedenfalls ganz nach dem Geschmack des Stuttgarter Beachvolleyball-Nationalteams.

Im Finale gegen die aktuellen Weltranglistenersten Sarah Pavan/ Melissa Humana-Paredes aus Kanada unterlagen die Vorjahressieger aus Stuttgart nur äußerst knapp. Nach 56 hochspannenden Minuten mit pfiffigen Angriffsaktionen und sensationellen Abwehraktionen ging auch der Tiebreak in die Verlängerung. Am Ende war es nur ein bisschen Pech im falschen Moment. Die Kanadierinnen gewannen mit 2:1 (21:17, 12:21, 17:15) und ließen dem deutschen Nationalteam „nur“ die Silbermedaille.

„Was für ein Turnier! So ein schlechter Start und dann alle knappen Dinger gewonnen bis zum Finale!“, sagte Julia Sude und Chantal Laboureur ergänzte: „Wir sind ein wenig K.o. gerade, aber freuen uns voll über Silber, auch wenn wir so knapp verloren haben.“ Gleich nach der Siegerehrung ging es nach Genf, mit dem Flieger weiter nach Amsterdam und dann mit dem Shuttle nach Apeldoorn. Noch am Sonntag Abend begann die Vorbereitung auf die Europameisterschaften in den Niederlanden, bei denen das deutsche Nationalteam, Bronzemedaillengewinnerinnen der EM des vergangenen Jahres, von den holländischen Veranstaltern bereits zum Titelfavoriten gekürt worden sind.

Mit im Gepäck nach Norden waren ein Scheck über 32 000 US Dollar Preisgeld, 1080 Punkte für die Weltrangliste, sehr viel Emotionen – aber keine Kuhglocken, die es traditionsgemäß für die Siegermannschaften in Gstaad gibt.

„Gstaad ist mein Lieblingsturnier, seit ich hier vor zehn Jahren mit meinem Vater war und gesehen habe, wie die Sieger die Kuhglocke bekommen. Und dann haben wir sie im vergangenen Jahr selbst gewonnen. Das ist einfach das Größte“, schwärmte Julia Sude mitten im Turnier. Und plötzlich waren sie wieder auf Kuhglockenkurs. „Die goldene vom vergangenen Jahr steht bei meinen Eltern und die nächste Kuhglocke habe ich letztes Jahr meinem in Gstaad lebenden Familienteil versprochen, falls es denn eine geben sollte. Und tatsächlich holen wir uns gleich im Jahr drauf die Silberne. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl!“

Julia Sude und Chantal Laboureur trotz holprigem Start trotzdem Silbermedaillengewinnerinnen in Gstaad | Foto: FIVB

Julia Sude und Chantal Laboureur werden trotz holprigem Start Silbermedaillengewinnerinnen in Gstaad | Foto: FIVB

Dabei begann das Turnier auf 1050 Höhenmetern mitten in den Schweizer Alpen mit einem Fehlstart. Kelley Larsen/ Emily Stockman aus den USA, die sich bereits durch die Qualifikation gekämpft hatten, präsentierten sich nervenstärker in den Endphasen der Sätze und verpassten mit 2:0 (21:19, 21:19) dem Vorjahres-Turniersieger aus Deutschland in 36 Minuten eine unerwartete Auftaktniederlage.

„Das war natürlich ein schlechter Start im Vergleich zum Vorjahr, wo wir die Gruppenspiele alle relativ deutlich mit 2:0 gewonnen haben. Aber, Beachvolleyball heißt, niemals aufgeben. Und so machen wir es“, verkündete Julia Sude. Und flugs folgten eindrucksvolle Auftritte.

Katarzyna Kociolek/ Kinga Kolosinska, aus Polen, auf die das deutsche Nationalteam auch kommende Woche in den Gruppenspielen der Europameisterschaften trifft, wurde in 25 Minuten mit 2:0 (21:12, 21:18) geschlagen. Und über den gewaltigen Bergmassiven, die Gstaad umzingeln lachte die Sonne. Das Duo war nun auf Betriebstemperatur gekommen und warf als nächstes die dreifache Olympiasiegerin Kerri Walsh Jennings mit ihrer Partnerin Nicole Branagh aus den USA mit viel Druck und einem 2:0-Erfolg (21:17, 22:20) aus dem Turnier.

Eine erneut hochspannende Schlussphase erfolgte wenige Stunden später, erstmals auf dem CenterCourt, gegen Mariafe Artacho/ Taliqua Clancy aus Australien. „Ich hatte schon vorher so ein Gefühl, dass wir sie heute schlagen werden. So ähnlich wie in Warschau, als wir zwei die zwei brasilianisches Teams geschlagen haben, die wir bis dahin ja auch noch nie geschlagen hatten“, berichtete Chantal Laboureur. „Und dann ist ganz gut aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben. Vor allem die zweiten Bälle unterbinden, was die beiden so gut können. Aber im zweiten Satz mussten wir uns was überlegen. Da lief es nicht mehr so klar. Bis Juli mit dem Ass zum Matchball eine wirklich gute Idee hatte, nachdem es so lange hin und her ging.“

Nach 40 Minuten und einer hochspannenden Schlussphase war der 2:0-Sieg (21:16, 26:24) eingetütet und die Australierinnen nach bislang zwei Siegen gegen Laboureur/ Sude in diesem Jahr, das erste Mal bezwungen. „Wir fühlen uns einfach sauwohl auf dem CenterCourt, das hat uns beflügelt“, meinte Julia Sude. Freitag, der 13. – er hat dann doch Glück gebracht. Nur die Anzahl der Dopingkontrollen in diesem Jahr passt noch nicht ganz dazu. „Gleich nach dem Spiel musste ich ran. Das war Kontrolle Nummer 12 für uns. Allein in diesem Jahr“, rechnete Chantal Laboureur vor.

Julia Sude und Chantal Laboureur auf dem Spielfeld in Gstaad | Foto: FIVB

Julia Sude und Chantal Laboureur auf dem Spielfeld in Gstaad | Foto: FIVB

Im Viertelfinale ging es am Samstag dann gegen Miki Ishii/ Megumi Murakami aus Japan, die als Qualifikantinnen zuvor überraschend das deutsche Nationalteam Bieneck/ Schneider aus dem Turnier geworfen hatten. Und es wurde der erwartete schwere Kampf, vor allem im ersten Satz.
Doch mit einem souveränen Auftritt in Satz zwei war mit dem 2:0-Erfolg (28:26, 21:11) nach anstrengenden 43 Minuten das Halbfinale erreicht.

„Ja, es war sehr anstrengend und gleichzeitig faszinierend, wie die Japanerinnen trotz ihrer kleineren Körpergröße agieren“, sagte Julia Sude. „Im zweiten Satz haben wir die Bälle schneller auf den Boden bekommen, denn, wenn nicht, das haben wir ja schon vorher gewusst und eben im ersten Satz auch selbst verspürt, dann haben wir sie sofort wieder um die Ohren bekommen.“

Weiter ging es am Samstag auf dem CenterCourt: Halbfinale gegen Heather Bansley/Brandie Wilkerson, die vor zwei Wochen in Warschau ihre erste Goldmedaille auf der Tour am Geburtstag von Brandie Wilkerson feiern konnten, weil sie das Stuttgarter Nationalteam bezwungen hatten. Es war also noch eine kleine Rechnung offen. Und wieder entpuppte sich die Begegnung zu einem Thriller. Dieses Mal allerdings mit dem glücklicheren Ende für Laboureur/Sude, die sich nach 64 Minuten mit 2:1 (25:27, 21:14, 18:16) durchsetzten und sich damit zum zweiten Mal in Folge ins Finale von Gstaad schmetterten.

Auch wenn nach Gold im Vorjahr nun „nur“ die Silbermedaille beim Fünf-Sterne-Turnier von Gstaad heraussprang, zeigt sich das Nationalteam kurz vor den Saisonhöhepunkten in diesem Jahr bestens gerüstet.

Die Stuttgarterinnen, die im vergangenen Jahr in Jurmala (Lettland) Bronze gewonnen haben, starten im Pool A in Apeldoorn und haben folgende Gruppenspiele zu absolvieren:

Dienstag, 17. Juli, 13.00 Uhr: Marta Menegatti/Laura Giombini, Italien
Dienstag, 17. Juli, 20.30 Uhr: Liliana Fernandez Steiner/Elsa Baquerizo McMillan, Spanien
Mittwoch, 18. Juli, 14.00 Uhr: Kinga Kolosinska/Katarzyna Kociolek, Polen

Der weitere EM-Plan:
Donnerstag, 19. Juli: 1. K.o.-Runde und Achtelfinale Freitag, 20. Juli: Viertelfinale
Samstag, 21. Juli: Halbfinale und Finale in Den Haag

TV-Übertragungen ab Freitag, 20. Juli auf Sport1 Live-Blog auf www.volleyball-verband.de

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