Faustball Bundesliga-Skandal: DFBL disqualifiziert DM-Teilnehmer Stammheim und Eibach

Ein Skandal erschüttert die Frauen-Bundesliga Süd: Beim abschließenden Spieltag im Februar sind zwei Mannschaften nicht mehr angetreten. Stattdessen haben sie sich auf ein Ergebnis geeinigt und dieses auch laut Spielformular gemeldet. Das hat nun drastische Konsequenzen.

(red/DFBL) Der Fall: Vor dem Dreier-Spieltag beim TV Stammheim hatte das Team der TG Landshut seine Mannschaft bereits zurückgezogen. Damit blieben nur noch zwei Teams über: Gastgeber Stammheim und der TV Eibach, der bereits die Qualifikation zur DM-Endrunde sicher hatte. Man einigte sich nun untereinander, auf das Spiel zu verzichten, um Reisestrapazen und Reisekosten zu vermeiden. 3:1 (11:9, 10:12, 11:8, 11:7) sollte das Spiel ausgehen, so die Verabredung.

Zaitungsartikel | Foto: DFBL

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Dass am Tag danach dieser Bericht der Aktion in der Zeitung stand – und dieser schnell die Runde durch Faustball-Deutschland machte -, damit hatte man allerdings nicht gerechnet. Schließlich war das Nichtantreten und Verabreden eines Ergebnisses ein klarer Regelverstoß. Disqualifikation, Abstieg in die 2. Bundesliga und Aberkennung der Eibacher DM-Qualifikation sind die Folge laut Ziffer 6.2.5.2. der DFBL-Spielordnung Faustball (SpOF).

„Die Auslegung in dieser Sache lässt aus unserer Sicht überhaupt keinen Ermessensspielraum zu, so tragisch das auch für alle Beteiligten ist“, erklärt DFBL-Präsident Ulrich Meiners, „auch ist die sportliche Qualifikation des deutschen Vizemeisters TV Eibach völlig unbestritten, aber das nützt in diesem Fall nichts. Jeder Verein hat sich an die SpoF zu halten, sonst gerät der gesamte Spielbetrieb aus allen Fugen.“

Auch, wenn er Beweggründe der Vereine in Teilen verstehen und die Situation äußerst unglücklich findet, fragt sich Ulrich Meiners: „Wie es sein kann, dass ein Spitzenverein, ein Bundesligaverein zu einem Bundesligaspiel – in Kenntnis der Spielordnung Faustball – nicht antreten kann? Wir können doch nicht, nur weil das Ergebnis keinen Einfluss auf die Tabellensituation hat, uns einfach Spiele schenken. Das stellt für unseren Sport ein Armutszeugnis dar!“

Die DFBL hat dem TV Eibach dann nach dessen Stellungnahme die Ordnungsmaßnahmen schriftlich zukommen lassen. Der offene DM-Teilnahmeplatz geht nach den Regularien der Liga an den Viertplatzierten SV Tannheim. „Das Team hat telefonisch bereits signalisiert, einspringen zu wollen“, sagt Karl Ebersold, das für den Bundesligabetrieb zuständige Präsidiumsmitglied der DFBL.

Der TV Eibach, dessen Spielerinnen im Vorfeld gegenüber Vereinsoffiziellen sogar noch Zweifel an der Absage geäußert haben sollen, hat nun seinerseits ein Gnadengesuch gestellt. Dass er dem Gesuch wenig Chancen einräumt, hat Präsident Meiners den Eibachern bereits schriftlich mitgeteilt.

Maßnahmen gegenüber dem TV Stammheim als zweitem beteiligten Verein waren derzeit noch offen. Die TG Landshut hat seinen Rückzug aus der Liga bereits angekündigt.

Das Präsidium der Deutschen Faustball-Liga hat die Gnadenanträge des TV Eibach sowie des TV Stammheim abgelehnt. Damit bleibt es dabei: Nachdem Eibach zum letzten Saisonspiel in Stammheim nach vorheriger Absprache nicht angetreten ist, werden beiden Teams die in dieser Saison errungenen Punkte abgezogen. Eibach verliert damit auch die sichere Qualifikation für die DM-Endrunde Anfang März.

„Wir haben in der Diskussion absolut keinen tragfähigen Ausweg finden können, der innerhalb des Regelwerks gangbar wäre“, erklärte DFBL-Präsident Ulrich Meiners nach einer Telefonkonferenz am vorletzten Montagabend.

Die DFBL musste in diesem konkreten Fall die Regelung 6.2.5.2 der Spielordnung Faustball (SpOF) anwenden:
„Eine Mannschaft, die bei Spielrunden (Ziffer 4.4.2.2) zu allen angesetzten Spielen eines Spieltages nicht oder nicht spielfähig antritt, verliert ihre Teilnahmeberechtigung an den weiteren Spielen und steigt in die nächst niedrigere Leistungsklasse ab. Sämtliche bis dahin ausgetragenen Spiele dieser Mannschaft werden nicht gewertet.“

 

Archivbild: Impressionen des Damen-Bundesligateams des TV Stammheim | Foto: Frank Weller

Archivbild: Impressionen des Damen-Bundesligateams des TV Stammheim | Foto: Frank Weller

Präsident Meiners betonte: „Mit jeder anderen Entscheidung würde die DFBL einen Präzedenzfall schaffen, der in der Zukunft einer Beliebigkeit der Teilnahme an verbindlich angesetzten Punktspielen Tor und Tür öffnete. Gäben wir an dieser Stelle den Gnadengesuchen statt, handelten wir entgegen der Spielordnung Faustball. Diese Spielordnung ist von uns Faustballerinnen und Faustballern entworfen und beschlossen und damit für alle Mannschaften bindend. Deshalb gibt es aus unserer Sicht auch nach Abwägung aller Argumente keinen Spielraum in diesem Punkt.“

Tannheim rückt nach

Der freie DM-Platz der Süd-Bundesliga geht damit an den Viertplatzierten SV Tannheim. Ironie des Schicksals: Tannheim war im Vorjahr Ausrichter der DM, konnte selbst aber nicht daran teilnehmen, weil das Team am letzten Spieltag aufgrund einer Eibacher Niederlage abgestiegen war.

Weitere Auswirkungen in punkto Auf- und Abstiege werden in Kürze bekanntgegeben.

Anmerkung: Der TV Stammheim hat darauf hingewiesen, dass der Verein kein Gnadengesuch abgegeben hat, sondern eine Stellungnahme zum Geschehen. Das ist korrekt. Zudem gilt für beide Vereine nach Zustellung der Ordnungsmaßnahme natürlich noch eine Einspruchsfrist.

Mehr Faustball auf SNordsport finden Sie hier.

Weitere Infos gibt es auf der Website der Faustballer/innen des TV Stammheim.

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