Ringen: SNordsport-Interview mit der Ausnahmeringerin Annabella Vogt

Die mehrfache deutsche Meisterin im Ringen AnnabellaVogt von der SG Weilimdorf hat uns für ein schriftliches und ein Video-Interview in unserer Redaktion besucht. Neben einigen allgemeinen Fragen haben wir die Ausnahmeringerin außerdem zur Deutschen Meisterschaft 2018 befragt.

 

Allgemeine Fragen

Wie bist du zu dieser Sportart gekommen?
Mein Opa, mein Onkel und mein Vater haben alle einmal gerungen und irgendwann hat mein Vater mich dann zum Jugendtraining der SG Weilimdorf mitgenommen, wo ich dann auch eingestiegen und bis heute geblieben bin.

Ist die Begabung schnell aufgefallen und was macht dir am meisten Spaß am Ringen?
Ich würde nicht von einer Begabung sprechen, sondern eher vom Wille einen Erfolg zu haben und die harten Trainingseinheiten zu meistern. Anfangs war es nicht ganz klar, ob ich in dieser Sportart bleibe, weil das bei Mädchen oft so der Fall ist. Nun bin ich aber schon einige Jahre dabeigeblieben und am meisten gefällt mir das faire Kämpfen bzw. das faire Kräftemessen.

Die Nachwuchs-Ringerin Annabella Vogt zu Gast in der SNordsport-Redaktion | Foto: SNordsport

Die Nachwuchs-Ringerin Annabella Vogt zu Gast in der SNordsport-Redaktion | Foto: SNordsport

Ringen ist eine der ältesten, aber auch härtesten Sportarten, hast du schon große Verletzungen, oder Rückschläge einstecken müssen?
Richtig große Verletzungen, bei denen ich wirklich ein paar Monate nicht zum Ringen gehen konnte, hatte ich bisher nicht. Häufig verletzen sich die Ringer an den Schultern, die hatte ich auch schon verstaucht und die Kapsel gerissen, aber ansonsten hatte ich eigentlich noch keine großen Verletzungen – Ringen ist ja auch ein Sport bei dem man sehr fair ist und es eben auch Regeln gibt.

Du bist ja ein sehr schmächtiges Mädchen, unterschätzen dich deine Gegner da manchmal?
Also man kennt sich ja meistens schon vom Namen her und man kennt die Erfolge, deshalb glaube ich nicht, dass ich noch so häufig unterschätzt werde. Aber anfangs waren wir einmal in der Schweiz, da habe ich noch gegen Jungs gerungen und von außen waren da Mädchen die mich erstmal ausgelacht haben und als der Kampf dann fertig war und ich gewonnen hatte, da haben die Garnichts mehr gesagt.

Wie oft trainierst du denn die Woche?
Also momentan habe ich vier Matteneinheiten, eine Krafteinheit und eine Laufeinheit und das ist eigentlich auch mein normaler Wochenplan.
Auch in den Ferien?
In den Ferien haben wir auch öfters Training, da haben wir teilweise auch zwei Mal am Tag Training.

Wie lässt sich der Sport und das viele Training mit der Schule vereinbaren?
Dank meines Heimtrainers der mir unter großen Aufwand meine Trainingspläne schreibt.

Bist du das einzige Mädchen in deiner Mannschaft? Wenn ja, wie gehst du damit um, stört dich das?
Ich war am Anfang eine lange Zeit das einzige Mädchen, aber eigentlich hat mich das nicht gestört, weil ich mich mit Jungs besser anfreunden konnte als mit Mädchen. Vielleicht auch dadurch, dass ich auch einen Bruder habe. Ich verstehe mich halt mit den Jungs allgemein sehr gut und durch das Ringen erstrecht, da habe ich auch viele Freunde die vom Ringen sind. Jetzt mittlerweile sind wir glaube ich etwa sieben Mädchen im Jugendtraining und wir haben noch drei etwas kleinere im Bambinitraining.

Archivbild: Annabella Vogt im Finale der Deutschen Meisterschaft 2017 | Foto: Oliver Stach

Archivbild: Annabella Vogt im Finale der Deutschen Meisterschaft 2017 | Foto: Oliver Stach

Gibt es ein Vorbild dem du nachgehst? Was spornt dich an?
Da gibt es einmal Helen Maroulis aus den USA, die ist schon sehr gut und sie hat auch viele internationale Titel, u.a. ist sie auch Olympiasiegerin. Dann noch zwei Deutsche Ringerinnen, Nina Hemmer und Aline Focken, Aline war auch einmal Weltmeisterin. Mein größter Ansporn ist, wenn man sieht, wie die vom deutschen Team nach dem Sieg zum Beispiel um Bronze oder um Gold mit der Flagge herumlaufen. Für mich ist das etwas, wo ich denke, das möchte ich auch mal erleben, das ist doch bestimmt ein sehr schönes Gefühl.

Hast du Rituale vor einem Kampf?
Ich habe bei Turnieren meistens dieselben Socken an und dann haben wir noch ein Handtuch vom Verein, das ist für die Pausen und das habe ich eigentlich auch immer dabei, das ist so wie mein Glücksbringer für mich, da achte ich auch darauf, dass ich es immer einpacke.

Was ist dein nächstes Ziel für die nahe Zukunft? Welcher Wettkampf steht als nächstes an?
Also mein nächstes Ziel ist die EM-Qualifikation und das nächste Turnier das jetzt ansteht ist der Brandenburg Cup, der ist international und da kommen auch ein paar aus Schweden. Und ich habe dieses Jahr noch ein paar Turniere und Vorentscheidungen für das nächste Jahr. Ein großes Turnier für mich in diesem Jahr, bei dem ich auch internationale Härte spüren werde, ist ein Turnier in Polen, bei dem wir hinterher auch noch eine Woche Lehrgang in Polen haben werden. Da kommen von 13 verschiedenen Ländern über 300 weibliche Teilnehmer und das wird auch ein richtig großes Turnier mit den ganzen stärkeren internationalen Ringerinnen. Es ist nicht so häufig, dass es so ein Mädchenturnier gibt wo wirklich auch so viele von verschiedenen Ländern kommen. Dort kann ich dann auch ein bisschen reinkommen und sehen, wie es international so abläuft. Was ich dann eben auch sehr gut finde ist der Lehrgang hinterher, da kann ich dann nochmal sehen, welche Techniken die aus anderen Ländern anwenden, die mir vielleicht auch gut liegen könnten.

Was ist dein größtes Ziel?
Also ich würde schon sagen, dass das die Olympia-Teilnahme wäre, weil das ist schon etwas sehr Großes. Deswegen hoffe ich auch, dass Ringen olympisch bleibt, weil es erstmal nur bis 2020 sicher olympisch ist, danach weiß man es noch nicht.

Fragen zur Deutschen Meisterschaft 2018

Wie hast du dich auf die Deutsche Meisterschaft vorbereitet? Hattest du mehr Training?
Also im letzten Monat vor der Deutschen Meisterschaft hatten wir schon deutlich mehr Trainingseinheiten, da waren dann bis zu 10 Einheiten die Woche völlig normal. Wir hatten auch DRV Lehrgänge, also Vorbereitungslehrgänge und da war es halt erstmal so, dass man versucht hat, völlig kaputt aus dem Training zu gehen und das Meiste aus sich rauszuholen und jetzt nicht wirklich etwas Neues zu lernen, sondern eher seine Techniken zu verbessern. Das was man normalerweise als Spezialtechnik macht im Kampf in den Einzelheiten eben zu verbessern.
Ansonsten muss ich im Moment nicht abnehmen oder so, da ich ungefähr das Gewicht habe, welches in meiner Gewichtsklasse in der ich ringe benötigt wird. Bei der Ernährung muss ich deshalb eben nur schauen, dass es nicht zu ungesund wird.
Aber so eine Pizza, oder Döner gibt es schon mal, oder ein Snickers, oder ein Eis?
Ja, also viele meiner Freunde dachten, dass ich gar kein Zucker esse wegen dem Ringen, die dachten, dass man da voll streng an die Ernährung gefesselt ist, aber bei mir ist es jetzt nicht so, dass ich voll auf meine Ernährung achten muss.

Annabella auf dem Treppchen bei den Deutschen Meisterschaften | Foto: SGW

Annabella auf dem Treppchen bei den Deutschen Meisterschaften | Foto: SGW

Was waren deine größten Ängste vor der DM, gab es überhaupt welche? Was waren deine Gedanken?
Meine größte Angst war, dass sich das harte Training nicht auszahlt. Ich habe schon sehr viel in die Vorbereitungen gesteckt und mein Trainer hat sich dafür zeitgenommen mich gut darauf vorzubereiten, deswegen hat man schon Angst, dass das Training sich nicht auszahlt.

Wie war das Gefühl bei der Deutschen Meisterschaft? Ist die Aufregung trotz so vielen Teilnahmen an bisherigen (auch internationalen) Meisterschaften bzw. Wettkämpfen noch da?
Also ich denke schon, dass man trotzdem nervös ist vor jedem Kampf. Das kommt einfach wieder, auch wenn man das abschalten will ist es einfach trotzdem in einem drin. Aber mein Trainer merkt mir die Anspannung vor den Kämpfen dann schon an, wenn es beispielsweise 50:50 Kämpfe sind, aber er kann mich meistens auch relativ gut beruhigen.

Wie hast du deinen Erfolg gefeiert?
Also wir waren ja in Warnemünde in der Nähe von Rostock und das ist ja etwas weiter weg, deswegen konnte ich da jetzt nicht direkt etwas unternehmen. Aber wir hatten auch viele Titel in Württemberg und dann sind wir alle zusammen am Abend in ein Burger Restaurant gegangen.

 

Wir sind uns sicher, dass der diesjährige Meistertitel nicht das letzte sein wird, das man von Annabella hört und wünschen ihr, dass sie genauso ehrgeizig und zielstrebig bleibt – und sich so einmal nach ganz oben ringt.

Hier kommen Sie zum Video-Interview mit Annabella Vogt.

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