Taekwondo: Das Taekwondo-Talent Lea Karmely im SNordsport-Interview

Ende 2018 waren wir im Taekwondo Center Babic Stuttgart zu Besuch, um die Taekwondo-Kämpferin Lea Karmely zu Ihrem Talent und Hobby zu befragen. Neben den Erfolgen in einigen nationalen als auch internationalen Turnieren wie beispielsweise in Luxemburg, Slowenien und Belgien, hat die erst 16-jährige Stuttgarterin bei der Weltmeisterschaft 2018 in Hammamet (der Hauptstadt von Tunesien) aus 35 Teilnehmerinnen in ihrer Gewichtsklasse die Bronzemedaille abgestaubt.

Wie und in welchem Alter bist du zu der Kampfkunst bzw. dem Kampfsport Taekwondo gekommen und warum gerade Taekwondo?
Ich war ungefähr 10 Jahre und mein Vater hat den Sport auch betrieben, da wollte ich das auch versuchen.

Wann bist du dann zu deinem ersten Wettkampf angetreten?
Genau weiß ich das nicht mehr, aber eigentlich bin ich kurz nachdem ich den gelben Gürtel hatte dann auch schon kämpfen gegangen.

Man liest oftmals, dass das Taekwondo mehr als nur den Körper trainiert, sondern dem Menschen auch einige geistige Werte lehrt. Was würdest du sagen, hast du vom Taekwondo noch lernen können?
Disziplin und Ausgewogenheit, weil nach der Schule mache ich erstmal meine Hausaufgaben und dann gehe ich jeden Tag ins Training, das hilft halt schon. Hier treffe ich dann auch meine Freunde, deshalb macht das eigentlich viel Spaß.

Wo liegen deine persönlichen Stärken?
Im linken Fuß, also mein linkes Bein ist mein starkes Bein, obwohl ich Rechtshänderin bin. Mein rechter Fuß ist auch gut, eigentlich sind beide Seiten gut, aber mit links greife ich mehr an, weil die meisten mit rechts vorne stehen.

Hast du eine spezielle Technik, die du als deine „Spezialität“ bezeichnen würdest?
Die Faust ist meine Spezialität und der Drehkick mit links.

Lea Karmely | Foto: Privat

Lea Karmely | Foto: Privat

Wie oft trainierst du in der Woche?
Jeden Tag etwa eine bis anderthalb Stunden, wenn der Trainer es länger macht, dann sind es auch mal zwei Stunden. Samstags und sonntags wird auch trainiert, samstags sind es zwei Stunden und sonntags komme ich hier ins TKD Center und Jogge und trainiere so ein bisschen.

Hast du schon Prüfungen für einen niedrigeren Kup abgelegt und wenn ja, wie viele? Welche Gurtfarbe trägst du, bzw. welchen Kup hast du? Erklär uns das doch bitte kurz.
Lea: Ich habe den 1. Dan.
Stojan Babic (Inhaber des TKD Center Stuttgart): Sie hat 8 Prüfungen vorher gemacht und die 9. Prüfung war dann die erste Dan-Prüfung.

Der 1. Dan entspricht quasi dem schwarzen Gurt?
Lea: Ja, genau.
Stojan Babic: Danach kommt eine weitere Prüfung für den 2. Dan und eine weitere Prüfung für den 3. Dan, nur die Wartezeiten dazwischen verlängern sich immer. Ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre, fünf Jahre, je höher der Dan, desto länger wird die Wartezeit zwischen den Prüfungen.

Wer also den 3. Dan hat, hätte also 3 schwarze Gurte?
Lea: Nein, dann hat man an seinem Gurt 3 schwarze Streifen. An dem den ich gerade trage sind 5, aber das ist nicht mein eigener Gürtel, ich habe nur ein Streifen.
Stojan Babic: Ich habe den 5. Dan und mein Sohn der war auch schon Weltmeister, der ist auch im 5. Dan. Der hat diesen Gürtel vom Verband bekommen, als Ehren-Dan. Insgesamt gibt es 9 Dan Grade.

Sind die Dan altersunabängig?
Ja, also vor dem 16 Lebensjahr kann man nur Poom-Prüfungen machen, das ist der rot-schwarze Gürtel und entspricht den Dan-Prüfungen, nur eben für Kinder. Ab 15 Jahren kann man dann die Dan-Prüfungen machen.

Im Taekwondo geht es ja nach Gewichtsklassen, kämpfst du dann auch beispielsweise gegen Kämpferinnen die 30 Jahre alt sind, aber eben in deiner Gewichtsklasse?
Nein, ich kämpfe bei den Junioren, also unter 21 Jahren. Ich kämpfe in der Gewichtsklasse -49KG, unter meiner kommt die Gewichtsklasse 46 und ich muss dann über 46 KG wiegen, um nicht in der tieferen Gewichtsklasse zu kämpfen. Aber größer als ich können die Gegnerinnen natürlich sein, das Gewicht muss eben stimmen und meine Gegnerinnen sind meistens viel größer als ich. Das ist dann ein Vorteil für die und ich muss eben schneller sein.

Wann und bei welchem Wettkampf hat es sich entschieden, dass du im Nachwuchskader der Deutschen Taekwondo Union aufgenommen wirst?
Lea: Als ich genug Kriterien hatte, also bei jedem G1-Turnier bekommt man Punkte die man dafür braucht.
Stojan Babic: Es gibt ein System, wie beispielsweise beim Tennis bei den ranghöchsten Turnieren wie beim Grandprix oder sowas. Jedes Land trägt ein größeres G1-Turnier aus und nur für diese Turniere bekommt man Punkte. Diese Punkte sind gültig für das Nationalteam und später für die Olympiade, die Europameisterschaft und die Weltmeisterschaft. Dann entscheiden die Nationaltrainer, die schauen sich den Verein an und prüfen, bei wie vielen G1-Turniere der/die Kämpfer/in auf dem Treppchen stand, denn nur für das Treppchen gibt es Punkte. Und wer bei der Deutschen Taekwondo Union auf Platz 1 ist, der ist automatisch im Nationalteam.
Lea: Man muss aber schon bei einigen G1-Turnieren etwas holen und bei der Deutschen Meisterschaft. Wenn du bei der Deutschen Meisterschaft den 1. Platz machst, dann wirst du auch zum Kadertraining eingeladen. Um aber überhaupt zu G1-Turnieren zugelassen zu sein, muss man erst bei Nachwuchsturnieren gewinnen, oder gut abschließen.

Lea Anais Karmely erkämpft sich Bronze bei der Junioren Weltmeisterschaft 2018 in Tunesien | Foto: World Taekwondo

Lea Anais Karmely erkämpft sich Bronze bei der Junioren Weltmeisterschaft 2018 in Tunesien | Foto: World Taekwondo

Wer entscheidet denn wo du startest? Entscheidest das du selbst oder deine Trainer?
Stojan Babic: Das machen wir. Sie muss fleißig trainieren, das heißt wir müssen bei so einem Sportler erstmal den Charakter bauen und dann kommt das Resultat automatisch. Also wer Resultate will muss erst den Menschen aufbauen, dann schauen wir auf das Training, dass man diszipliniert ist, dass man fleißig trainiert, dass man sich im Team zusammenschließt und als Gruppe arbeitet. Die Elemente, wenn die alle stimmen, dann sagen wir du, du und du kannst beispielsweise nach Frankreich, oder in die USA zum nächsten Turnier. Wenn man da dann Punkte holt, dann bekommt automatisch der Verein Punkte, aber zuerst ist es für die Sportler selbst gut, die dann Punkte bei der Deutschen Taekwondo Union sammeln, um dann bestenfalls für das Nationalteam in Betracht gezogen zu werden.

War die WM in Hammamet der bisher am weitesten entfernte Wettkampf? Hast du Unterstützung von Zuhause mitgenommen?
Ja, das wer der am weitesten entfernte Wettkampf. Von Zuhause hatte ich niemanden dabei, wir sind da mit der Nationalmannschaft als Team hingeflogen. Die Kämpfe wurden aber Live übertragen, also Zuhause konnten mir trotzdem alle zuschauen.

Wie hast du dich auf die Weltmeisterschaft vorbereitet und hast du bestimmte Rituale vor Wettkämpfen?
Lea: Im Training habe ich halt ganz normal trainiert, ich hatte keine spezielle Vorbereitung. Rituale habe ich keine, vielleicht bete ich kurz vor dem Kampf, aber sonst nichts.
Stojan Babic: Also das ist so, vor den großen Turnieren wie Welt- oder Europameisterschaften, geht man ein bisschen mit der Leistung hoch. Aber, die Leistung muss die ganze Gruppe mittragen, alleine bringt das nichts. Nach den Turnieren geht das Niveau dann wieder runter, zur Entlastung der Kämpfer/innen und vor dem nächsten Turnier dann wieder hoch. Und dann haben sie im Nationalteam auch noch Training, da gibt es teilweise auch weite Reisen und dann gemeinsames Training und Vergleichskämpfe mit anderen Nationen.

Wie Nervös warst du?
Also so wie bei jedem Turnier, nur die Spannung war halt mehr da. Man hat halt gemerkt, dass es um mehr geht. Nervös war ich schon auch, das bin ich aber vor jedem großen Turnier.

Die ersten beiden Kämpfe hast du sehr eindeutig für dich entscheiden können, wie bist du dann in den Halbfinalkampf gegangen?
Es gab keinen Unterschied, selbstbewusst, so wie bei jedem Kampf. Erstmal habe ich abgewartet, dann habe ich angegriffen. Zuerst hat sie dann sogar geführt, danach habe ich aber aufgeholt. Dann gab es den Golden Point, also wir hatten beide denselben Punktestand und dann ging es darum, wer den letzten Punkt holt, den ich dann schlussendlich gemacht habe.

Würdest du sagen du bist eher eine offensive oder eher eine defensive Kämpferin?
Ich greife mehr an eigentlich, also eher eine offensive Kämpferin. Eigentlich bin ich beides, es kommt halt darauf an wie die Situation ist, aber ich greife schon mehr an.

Und was ist dein größter Traum für die Zukunft?
Weiterzumachen und Erfolge zu holen, erfolgreich zu sein bzw. zu bleiben. Letztlich natürlich Olympia-Siegerin zu werden, das will doch jeder. Aber erstmal alles andere, was ich noch nicht habe.

Wir danken Lea Karmely für das Interview und wünschen Ihr alles Gute auf Ihrem weiteren Weg, sodass sie ihren Traum vom Olympia-Gold vielleicht eines Tages wahrmachen kann.

Hier kommen Sie zum Video-Interview mit Lea Karmely.

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